Vereinslok in Sicht

Dampfkessel im Rohzustand, Bildrechte: Station Road Steam

Das Coronavirus hat 2020 schier alles auf den Kopf gestellt. Das war auch bei uns nicht anders. Neben den Arbeitstagen und den Fahrtagen im Frühjahr ist aber auch ein weiteres Projekt auf der Strecke geblieben: unsere Vereinslok. 

Im vergangenen Jahr reifte der Gedanke, eine vereinseigene Dampflok zu beschaffen. So entstand das Projekt „Angeheizt“, dass interessierten Besuchern einen detaillierten Einblick in die Technik einer Dampflok geben soll. Unser Konzept überzeugte sowohl die Sparkassenstiftung Sprockhövel als auch die Gremien von Ennepe-Zukunft-Ruhr, die für den EN-Kreis die Förderung von Projekten aus Geldern des Programms Vital NRW verantworten. Sie bewilligten unsere Förderanträge, sodass wir die Herstellung einer Lok in Auftrag geben konnten. Hergestellt wird sie in Großbritannien bei der Firma Station-Road-Steam. Unsere Wahl fiel auf den Nachbau einer Feldbahnlok der Firma Orenstein & Koppel, wie sie in den 1920er-Jahren gebaut wurden. Unter anderem übrigens in einem Werk bei Dortmund, also ganz in unserer Nähe. Auch sonst waren Loks dieses Typs ein gewohntes Bild im Ruhrgebiet, vor allem da, wo auf großen Baustellen viel Aushub bewegt werden musste. Vor dem Lkw war das eine Domäne der Feldbahn. 

Angeheizt 

„Und da sind jetzt echt Kohlen drin?“, ist eine der Fragen, die uns oft von Besuchern gestellt werden. Ein Zeichen für uns, dass das Wissen über die Funktionsweise von Dampfloks zusehends verloren geht. Da wir uns in unseren Vereinszielen der Erinnerung dieser Technologie verpflichtet haben, entstand das Projekt Angeheizt. Dabei wollen wir Interessierten regelmäßig zeigen, wie eine Dampflok funktioniert. Jeweils an den Fahrtagen soll es künftig auch ein öffentliches Anheizen geben, bei dem die Teilnehmer sehen, was zur Inbetriebnahme einer Dampflok alles nötig ist und wie viel Zeit es kostet. Zudem können die Teilnehmer selbst mitwirken. Ein bisschen Theorie wird dabei auch vermittelt und über spezielle Schautafeln, die einen Blick in das Innere einer Lokomotive gewähren. Damit wir dieses Projekt zuverlässig anbieten können, ist eine vereinseigene Lokomotive unerlässlich. Gezielt haben wir und deshalb für den Kauf des Modells einer Feldbahn entschieden. Mit einem Maßstab von etwa 1:4 und einer recht simplen Bauweise wird es beim öffentlichen Anheizen einfacher, die Funktionsweise nachvollziehen zu können. Anders als beim Original ist zugleich aber der Zugang zur Lok sehr viel einfacher.

Virus sorgt für Verzögerungen

Den Auftrag zum Bau haben wir im vergangenen Herbst abgegeben und gehofft, während der Saison 2020 unsere Vereinslok und das Projekt vorstellen zu können. Doch wegen des neuartigen Corona-Virus wurde daraus nichts. So stand die Produktion bei Station-Road-Steam über Wochen still und auch eine Prüfung der Kessels durch den britischen TÜV verzögerte sich. Inzwischen aber ist die Produktion auf der Zielgeraden, wie uns der deutsche Vertreter des Herstellers berichtet. Deshalb sind wir zuversichtlich, die Lok im Laufe des vierten Quartals 2020 geliefert zu bekommen und damit auch vor dem Ende des gemeinsamen Binnenmarktes von EU und Großbritannien, das neue Probleme mit sich bringen könnte. Zum Andampfen 2021 wird dann also voraussichtlich auch das erste öffentliche Anheizen geben. Wie das ablaufen wird, erklären wir rechtzeitig auf unserer Homepage.